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Warum sportmedizinische Untersuchung vor einem Marathontraining ?

Trotz der unbestreitbar positiven Auswirkungen eines langfristigen Ausdauertrainings kommt es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen auch bei Marathonveranstaltungen, die die Öffentlichkeit erschüttern.

Bei der Suche nach den Ursachen kann man 3 Hauptgründe für ein akutes Herzkreislaufversagen unterscheiden:

Koronare Herzkrankheit

Die häufigste Ursache plötzlicher Todesfälle beim Sporttreiben sind Veränderungen an den Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit). Dieses Krankheitsbild betrifft in erster Linie „ältere“ Läufer ab ca. 40 Jahren, kann im Einzelfall aber auch schon deutlich früher auftreten. Im typischen Klientel der „Longliner“, die den weitaus größten Teil der Teilnehmer an den großen Stadt-Marathons bilden, steigt sowie physiologischer weise das Risiko, im Rahmen einer generellen Veränderung des Blutgefäßsystems auch eine Verengung der Herzkranzarterien zu entwickeln.

Die Abnahme des Querschnitts führt dann dazu, dass bei körperlicher Belastung durch die engeengten Arterien – vergleichbar einer verstopften Benzinleitung eines PKW Motors – nicht mehr genug Blut in den Herzmuskel transportiert werden kann, um den vermehrten Sauerstoffbedarf zu decken. Unter Ruhebedingungen läuft der Motor (das Herz) dabei noch völlig normal, erst bei höherer Leistungsabgabe beginnt er wegen des Benzinmangels zu spotzen.

Die Symptome, die auf Veränderungen der Herzkranzarterien hinweisen sind typisch:

Bei Belastung kommt es zum Auftreten einer ungewohnten Atemnot, eines Druckgefühls oder auch von Schmerzen meist in der linken Brustseite, welche oftmals auch in den linken Arm ausstrahlen. Das wichtigste Indiz für das Vorliegen dieses Zustands ist aber, dass die Beschwerden sich in der Regel zurückbilden, wenn die Belastung abgebrochen wird.

Es ist zwar seit langer Zeit gut belegt, dass regelmäßige körperliche Belastung die Entstehung einer solchen Herzkranzgefäßerkrankung verhindern kann. Tatsächlich sinkt regelmäßiges Training das Risiko um die Hälfte.

Gleichwohl bietet regelmäßiges Training keine vollständige Sicherheitsgarantie. Es kommt trotzdem immer wieder vor, dass sich diese Veränderungen auch bei körperlich fitten und trainierten Menschen entwickeln. Das Risiko ist dann umso höher, wenn noch weitere sogenannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Störungen des Fettstoffwechsels dazu kommen.

Die Abb. zeigt das Röntgenbild des Koronargefäßsystems bei einem 49 jährigen Mann, der seit dem 18. Lebensjahr ein Mittel- und Langstreckentraining absolvierte und dennoch die lebensgefährliche Einengung der großen Arterie entwickelte.

Im Rahmen einer Untersuchung zur Abklärung typischer Angina pectoris Beschwerden wurde ein hochpathologisches Belastungs EKG gefunden; bei der anschließenden Herzkranzgefäß-darstellung (Herzkatheter) konnte die hochgradige lebensgefährlich Einengung durch eine Ballondilatation erweitert werden. Der Mann erfreut sich bis heute bester Gesundheit und läuft weiterhin – jetzt wieder vollkommen beschwerdefrei.

Herzwandverdickung (hypertrophe Kardiomyopathie)

Bei jüngeren Menschen ist es meist eine andere Veränderung des Herzmuskels, die zu lebensbedrohlichen Zwischenfällen führt, eine krankhafte Verdickung der Herzwände. Diese sogenannte „hypertrophe Kardiomyopathie“ ist die Ursache zahlreicher auch sehr spektakulärer Todesfälle z.B. junger Profisportler, die in den letzten Jahren die Öffentlichkeit bestürzten.

Bei dieser Erkrankung kommt es zum Auftreten pathologischer Rhythmusstörungen, die häufig auch zum akuten Herzstillstand und Tod führen. Die verdickten Herzwände lassen sich durch eine echokardiografische Untersuchung des Herzens sehr gut diagnostizieren; deshalb sollte ein „Herzecho“ bei einer seriösen sportmedizinischen Tauglich-keitsunteruchung obligat sein.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Schließlich sind unerkannte Herzmuskelentzündungen eine häufige Ursache für Todesfälle im Leistungssport. Eine solche Myokarditis kann dann entstehen, wenn bei einem einfachen Virusinfekt wie zum Beispiel einer banalen Erkältung mit leichtem Fieber ein intensives Training fortgeführt wird und es dabei zu einem Virusbefall auch des Herzmuskels kommt. Neben einer erheblichen Beeinträchtigung der Pumpleistung, die sich in einer unerklärlichen Schwäche und Abgeschlagenheit bemerkbar macht, besteht die große Gefahr dieses Krankheitsbilds ebenfalls in der Auslösung von Rhythmusstörungen, die zum akuten Herztod führen können.

Während die Herzwandverdickungen durch entsprechende Untersuchungen gut erkannt werden können und Todesfälle aus diesem Grund in der Regel vermeidbar sind, ist die Prävention einer Myokarditis oftmals nicht leicht: Viele Betroffene ignorieren oder banalisieren bestehende fieberhafte Infekte; sie befürchten Leistungseinbußen, wenn sie das Training unterbrechen und möchten lieber das Training fortsetzen. Oftmals hört man dann die typischen Abwiegelungen der sogenannten „Harten“ „Stell Dich nicht so an“ „lauf die Erkältung aus dem Körper raus“ „was vom Laufen kommt geht auch vom Laufen wieder weg“, die im Einzelfall dramatische Konsequenzen haben können: Ein Läufer mit einer Marathonbestzeit von immerhin unter 2:30 Std war durch eine Myokarditis, die er Gott sei Dank überlebte fast ein Jahr lang nicht in der Lage, mehr als eine Treppe ohne Unterbrechung zu steigen....

Manche Läufer versuchen auch, Fieber und Infektionssymptome mit Medikamenten zu dämpfen und geraten dabei in die Gefahr, eine Myokarditis auszulösen. Und da es ja nicht selten ist, dass Läufer mit einem fieberhaften Infekt trainieren, wird die potentielle Gefährdung durch ein Training in diesem Zustand oftmals nicht ernst genommen. Zahlreiche Todesfälle auch prominenter Sportler (zuletzt der tragische Tod des Rene Herms) waren durch die akuten Auswirkungen einer Herzmuskelentzündung verursacht.

Zur Prophylaxe hilft nur eine gründliche Aufklärung auch gerade darüber, dass bei bereits nur leicht erhöhter Temperatur eine absolute Schonung und Trainingsverbot erfolgen sollte.

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